Klimaanlage Naturgarten

Verfolgen Sie die Wetteraufzeichnungen der letzten Jahre, zeichnet sich ab, dass die Tage mit extremer Hitze in den kommenden Jahren noch zahlreicher werden. 13 der 15 wärmsten Jahre in der 252-jährigen Messgeschichte traten erst nach der Jahrtausendwende auf: Das wärmste Jahr war 2018, 2019 liegt auf Rang drei.
Text: Margit Benes-Oeller, Bernhard Haidler, Petra Hirner​; Foto: Christian Steinbrenner


Der Einfluss des Menschen auf das Klima nimmt stetig zu. Sie können in Ihrem Grünbereich – ob Garten, Balkon oder auch nur am Fensterbrett – Ihren persönlichen Beitrag zum Klimaschutz leisten und gleichzeitig die eigene Lebensqualität verbessern. Dazu gibt es viele Möglichkeiten, die jetzt bedeutender sind denn je. Gärtnern ist für viele mehr als ein Hobby – es ist eine Passion: Leider macht der Klimawandel so manche Gartenerfahrung zunichte und stellt neue Herausforderungen. Falls Sie sich jetzt fragen, ob Ihr Garten schon klimafit ist, machen Sie doch einfach unseren Kreuzerl-Test:

❑ Ich verzichte für das Bodenleben auf Versiegelung, Verdichtung, maschinelle Bearbeitung und aufs Umstechen, denn ich mag meinen Gartenboden und die Bodenlebewesen.

Die Bodenqualität verschlechtert sich durch Verschlämmung, Staunässe, Starkregen, Trockenheit und Erosion, aber insbesondere durch die Bodenversiegelung. Gut belebte Böden sorgen dagegen für die ideale Versorgung Ihrer Pflanzenschätze. Verbessert werden die Bodenfunktionen durch eine vorausschauende Pflege mit organischer Düngung, und der Förderung von Bodenorganismen durch Mulch. Gerade die Anreicherung von Dauerhumus durch abgestorbenes Pflanzenmaterial ist ein extrem wichtiger Kohlenstoffspeicher. Kompost und Gründüngung, Humusaufbau und Bodenpflege machen Mineraldünger und Torf überflüssig.

❑ Ich komme ganz ohne Torf aus.

Moore speichern auf nur 3 % der Landflächen weltweit langfristig 30% des Kohlenstoffs. Bis zu 10 % der CO2 Emissionen werden deshalb dem globalen Torf-Abbau in Mooren zugeschrieben! Mit dem Kauf torffreier Erden schützen Sie somit das Klima und wertvolle Naturstandorte. Sie müssen auch nicht alljährlich die Blumenkastenerde austauschen. Verbessern Sie das Substrat zu 1/3 mit Kompost oder zur Hälfte mit neuer torffreier Erde. So sparen Sie ebenfalls Transporte und Geld.

❑ Ich binde Kohlenstoff im Garten, indem ich kompostiere, mulche und die Wurzeln der Gründüngung im Boden belasse.

Wenn Pflanzen wachsen, bauen sie Biomasse auf und fixieren so Kohlenstoff. Das bedeutet daher: Je mehr Grünanteil, umso mehr Klimaschutz. Weil sich die Bewirtschaftung im Naturgarten an der klimafreundlichen Kreislaufwirtschaft orientiert, stärken umweltschonende organische Düngemittel wie Kompost dazu noch das Bodenleben und den Humusaufbau. Um also eine gute Bodenstruktur zu erhalten und eine schlechte zu verbessern, wird im Garten Boden mit Humus aus Laub, Gründüngung bzw. Kompost angereichert. Humusstoffe schaffen dabei eine stabile, fruchtbare Struktur aus winzigen Krümeln. Je größer das Porenvolumen und die Oberfläche dieser Krümel ausfallen, umso mehr Wasser und Nährstoffe können eingelagert werden. Der Boden wirkt so wie ein Schwamm. Nackte, offene Erde ist den Elementen dagegen schutzlos ausgeliefert. Mulch in Form von Holzhäcksel, Grünschnitt, Flachs- oder Hanfschäben oder eine Abdeckung aus feinem Kies hilft der Pflanzendecke gegen Beikräuter und zu viel Verdunstung und stabilisiert für das Bodenleben die „Luftröhren“ in der Erde.

❑ Ich pflanze, soviel ich kann.

Wer den Garten aufmerksam beobachtet, weiß dass Pflanzen von Witterung und Klima besonders betroffen sind. Je vitaler diese Bio-Indikatoren von vornherein sind, umso besser kommen sie mit den Herausforderungen des Klimawandels zurecht. Wo Pflanzen Sauerstoff produzieren, die Luft reinigen, wo sie als Wasserspeicher und als biologische Klimaanlage dienen, wo ihr grünes Laub beruhigend wirkt, herrscht zudem besonders viel Lebensqualität. Mit Naschgärten oder -balkons entfällt so manche Lieferfahrt. Einjährige Blumenbeete, die viel Wasser benötigen, ersetzen Sie besser durch mehrjährige Staudenbeete. Nicht zu unterschätzen ist auch der positive Klimaeffekt durch von Fachleuten angelegte Dachbegrünungen gegenüber kahlen Flächen, die von der Sonne aufheizt werden. Auch Sträucher dienen als Mini-Klimaanlagen, Stauden und Kräuterrassen sorgen für eine gute Atmosphäre – im wahrsten Sinne des Wortes. Besonders Bäume und Wandbegrünungen sorgen durch Beschattung und die Verdunstung von Wasser für Abkühlung. In diesem Sinn war der beste Zeitpunkt, einen Baum zu pflanzen, zwar schon vor 20 Jahren, der zweitbeste ist aber jetzt! „Natur im Garten“ hilft mit dem neuen Baumnavigator auf www.willbaumhaben.at bei der richtigen Baumauswahl.

❑ Ich sammle und speichere Wasser im Garten und setze es sparsam ein.

Wertvolles Regenwasser ist kostenlos, wenig kalkhaltig und „schmeckt“ vielen Kulturen. Regional wird es immer knapper, auch wenn es sich manchmal sintflutartig ergießt und dann vom Boden nicht aufgenommen werden kann. Bei der Schneeschmelze sickert Wasser hingegen langsam in den Boden ein. Diese wichtige Wasserspeicherung in den Böden und im Grundwasser fehlt in den letzten Wintern vermehrt. Damit Regenwasser möglichst lokal versickern kann und nicht über die Kanalisation verloren geht, helfen wassergebundene Parkplätze und Wegbeläge, Sickermulden oder Versickerungsbeete. Sie nehmen Wasser auf, das danach langsam versickern bzw. verdunsten kann. Auch Humusaufbau und Bodenbelebung binden in bestehenden Grünflächen höhere Wassermengen. Größere Mengen können in Regenwasserzisternen oder aneinander gekoppelten -tonnen gesammelt werden. Damit Wasserverwendung nicht zur Wasserverschwendung wird, ist in naturnahen Gärten eine standortgerechte Bepflanzung aber Voraussetzung.

❑ Meine Gartenausstattung (Bauwerke, Möbel, Pflanzgefäße) stammt aus regionalen Quellen. Ich verwende keinen Kunststoff und keine Tropenhölzer.

Für ein stabiles Weltklima wesentlich sind vor allem die Regenwälder. Sie speichern Billionen Tonnen Kohlenstoff. Weil 20 % der weltweiten klimaschädlichen Emissionen auf Waldrodungen und Produkte aus Tropenhölzern zurück- geht, sind viele Tropenländer so zu den weltweit größten „Klima-Anheizern“ aufgestiegen. Auch als gewaltige Wasserspeicher dienen Regenwälder, deren Abholzung den Zusammenbruch des Wasserkreislaufs bedeutet. Regional bewirkt dies Trockenheit und Ernteverlust, global verändert es die Großwetterlage mit allen Konsequenzen wie El Niño und die Fließrichtung des Golfstroms.

❑ Ich verringere den CO2-Ausstoß durch kleine Kreisläufe.

Jeder Garten ist einzigartig. Wenn Sie regionale Produzenten unterstützen und Gartenwertstoffe wie Rasen- und Strauchschnitt sowie Laub vor Ort behalten, tut das Ihrer Umwelt gut. Denken Sie bei den eingesetzten Produkten auch an den Energieaufwand der Erzeugung. Bevorzugen Sie vor Ort produzierte Produkte gegenüber Waren mit langen Transportwegen. Statt Materialien, die mit hohem Energieaufwand oder aus fossilen Brennstoffen hergestellt werden, favorisieren Sie lieber solche aus nachwachsenden Rohstoffen, wie z.B. Holz.

❑ Bevor ich etwas wegwerfe, versuche ich Neues aus Altem zu machen oder es zu reparieren.

„Alte Dinge“ können eine neue Verwendung finden. Die Devise heißt Umfunktionieren. Mit wenig Budget öffnet sich so manche Schatztruhe: Ein Hutständer hilft den Bohnen beim Ranken, ein ausrangierter Kasten dient Zucchinis als Herberge. Alte Dachziegel werden zur hübschen Beeteinfassung und Betonabbruch zur artenreichen Steinmauer. Auch Natursteinpflaster oder alte Klinker werten den Garten für Generationen auf. Den kreativen Ideen sind kaum Grenzen gesetzt.

❑ Ich achte und fördere in meiner Gartenwelt möglichst alle Pflanzen und Tiere und damit die Artenvielfalt und locke so auch Nützlinge an. Daher wende ich biologische Pflege an.

Zwar machen wir Menschen weltweit nur 0,01 % der gesamten Biomasse der Erde aus, mit unserer rasanten Entwicklung sind uns aber seit Beginn der Zivilisation 83 % aller wildlebenden Säugetiere, 80 % der Meeressäuger, 50 % der Pflanzen und 15 % der Fische abhandengekommen. Trotz dieser „Erhabenheit“ über die Natur bleiben wir von ihr abhängig. Bei einem Temperaturanstieg um 1,5 - 2,5 Grad sind in allen Weltregionen negative Folgen zu erwarten. Bis zu 30 % der Tier- und Pflanzenarten, von der jede einzelne wichtige, oft noch nicht erforschte Funktionen im Ökosystem bekleidet, sind global vom Aussterben bedroht. Es gilt daher auch im Kleinen das Zusammenspiel zu schützen. Das Laub wird im Herbst einfach unter die Hecke gerecht und mit etwas Erde beschwert. Das spart viel Arbeit, schützt den Boden, gibt der Hecke Nährstoffe zurück und bietet vielen Tieren dringend notwendigen Unterschlupf und Winterquartier. Am Heckenrand kann ein Saum aus Stauden einen wertvollen Rückzugsraum bieten, der ebenfalls Lebensraum für viele ökologisch wertvolle Pflanzen- und Tierarten bietet. Und was den Tieren im Garten gut tut, ist auch eine Bereicherung für uns Menschen.

❑ Ich lege meinen Schwerpunkt auf händische Gartenarbeit und verwende Gartenmaschinen mit Maß und Ziel.

Viele Beleuchtungen, Gerätschaften und auch Transporte benötigen Energie. Benzinbetriebene Gartengeräte sind die Hauptemittenten von CO2, dem primären Treibhausgas. Besser schneiden da Elektro- oder Handmäher, Rechen und andere emissionsarme oder -freie Werkzeuge ab.

Generell verlangt die Pflege von Naturgärten einen weit weniger hohen Einsatz von Mitteln, Zeit und Energie als jener, der für konventionell gepflegte Gärten notwendig ist: Sagen Sie dem Ideal „Englischer Rasen“ Ade, denn Blumenwiese und Kräuterrassen müssen nur selten gemäht werden. Richtig ausgewählte naturnahe Hecken machen maschinelle Heckenscheren überflüssig, und der naturnahe Schwimmteich ersetzt den pflegeintensiven, geheizten Pool. Auch energieeffiziente Geräte, Zeitschaltuhren und Bewegungsmelder sparen Energie. Und nicht zuletzt ist der Garten ein „Urlaubsort“, der rasch erreichbar ist. Ob als Ruheraum, Spielort für die Kinder und soziale Kontakte „über den Gartenzaun“ oder als „Fitness-Programm“: Das Ganze geht ohne nervenaufreibende An- und Abreise und dadurch mit kaum CO2 -Ausstoß vonstatten!

Den negativen Auswirkungen der Klimakrise kann also mit vielen kleinen Schritten, die Ihnen nicht viel abverlangen, entgegengewirkt werden. Jeder noch so kleine Beitrag, jede Maßnahme, jede Pflanze ist im gemeinsamen Kampf gegen den Klimawandel wichtig.

Angenommen Sie setzen diese 10 Tipps nach und nach bei der Gestaltung und Bewirtschaftung Ihres Gartens um, dann ist dieser in Windeseile klimafit und auch Sie tragen etwas zum Klimaschutz bei!

 

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Den Beitrag "Klimaanlage Naturgarten" haben wir unserem Villenreport 2020 entnommen. Lesen Sie alle Beiträge und bestellen Sie die aktuelle Ausgabe HIER.